Sturz ins Ungewisse

Als ich in mein Zimmer kam, etwa halb fünf in der Frühe, hatte ich kurz überlegt, ob ich den Rest Wein trinken solle. Und da war dieses Gefühl zu fallen. Ein Gefühl, das sonst nur in Träumen vorkommt.
Man fällt und fällt, und wenn es ein guter Traum ist, löst es ein Glücksgefühl aus, wie es das sonst nicht gibt, nicht mal dann, wenn man bei ihr ist.
Ist es aber ein schlechter Traum, wird man nach unten gezogen, findet keinen Halt, obwohl man nach allen Seiten greift. Doch jeder Griff geht ins Leere. Findet man einen, reißt er mit, und sinkt ebenfalls ins unendliche Unten.
Genau dieses Gefühl hatte ich, als ich in mein Zimmer kam, spät in der Nacht, etwa halb fünf in der Frühe.
Und da sah ich die Flasche Wein im Regal. Zuletzt hatte ich vor Weihnachten Wein getrunken. Danach war ich neben ihr eingeschlafen. Und schon war das Fest vorbei.
In diesem Moment, jetzt gerade hatte ich sie für zwei, drei Sekunden vergessen, obwohl ich gerade noch bei ihr war. Doch jetzt war sie ganz kurz nicht in meinem Kopf. Wenige Sekunden nur.
Und dann war sie auch schon wieder da und ich ließ den Wein stehen.
Da stand ich also nun um halb fünf in der Frühe in meinem Raum, ohne sie in meinem Kopf und fiel. Es war absurd.
Ich stand da und fiel und fiel. Dabei hatte ich nicht einmal von dem Wein getrunken.
Ich fiel und wusste nicht, ob sie der Halt war oder der Abgrund.
Ja und nun weiß ich gar nicht mehr, ob ich einfach hier stehen bleibe oder ins Ungewisse stürze…