Zu schwach um zu leuchten

Schwarz bin ich geworden. Nicht von selbst. Es liegt an der Nacht, die gerade hereingebrochen ist. Vorhin, das heißt vor zwei Minuten war es noch vollständig hell. Ich habe noch nie verstanden wie Nächte so schnell beginnen können.
Vielleicht habe ich es aber einfach nie in Ruhe beobachtet. Wie wird es dunkel, und vor allem, warum werde auch ich dunkel?
Wer setzt sich denn schon hin und beobachtet die Helligkeit. Man kann sich das ja sehr gut selbst überlegen. Es ist hell wenn Menschen arbeiten. Draußen die Gärtner zum Beispiel, die habe ich schon öfter einmal gesehen, wenn ich aus dem kleinen Fenster sah. Und dann war es grundsätzlich hell. Auch die anderen alle, die arbeiten, man sieht sie nur wenn es hell ist. Arbeit lässt alles hell werden.
Es gibt feste Arbeitszeiten, das habe ich mal irgendwo gelesen. Daher kann es so pünktlich Nacht werden. Wenn aber wenige Leute weiterarbeiten, wird es nicht überall nacht. Ich habe beobachtet, dass manchmal der Tag aus einem Gebäude leuchtete. Das kam, weil drinnen jemand an einer Schreibmaschine saß.
Im Radio wurde gesagt, dass es wieder mehr Arbeitslose gibt, daher wohl das neblige Wetter.
Schön, es lässt sich alles erklären, wenn man nur genau genug beobachtet. Aber was ist mit mir, warum werde auch ich dunkel, wo ich doch gerade nachdenke. Ist das nicht Arbeit? Und in mir höre ich, wie mein Körper arbeitet, trotzdem bin ich dunkel. Mein Zimmer ist dunkel. Ich bin abhängig. Ich kann nur sehen, wenn andere arbeiten. Ich selbst bin viel zu schwach um zu leuchten.