Meine Gedanken sind wie zügellose Pferde

Da gab es eine Fahrt auf einem LKW. Ich war nicht darauf. Ich saß in einem Bus. Und ich fuhr mit vielen Menschen, zu denen ich nicht gehören wollte. Es kam einfach kein Gemeinschaftsgefühl auf.

Ich musste fliehen. Ich hatte keine Lust, mit dieser johlenden Menge meine Zeit zu verschwenden. Doch irgendwie hielt es mich fest. Der Gurt war eng geschnallt. Ich musste mich mit Gewalt losreißen und mit noch mehr Gewalt, ich wundre mich, woher ich sie nahm, die Scheibe zerschmettern. Blutend kam ich auf der Fahrbahn an. Rannte in einen nahen Wald, gerade als der Bus überholt wurde von diesem LKW, mit den merkwürdig zusammengepferchten Menschen darauf. Sie hatten Gewehre in der Hand, und obwohl die geträumte Realität modern war, gab es Hakenkreuze auf diesem LKW. Es war auch das einzige Fahrzeug weit und breit, dass nicht in das Straßenbild passte. Es war, als spukten Nazigestalten neuerdings in meinen Träumen umher, und doch waren sie real. Einer schoss auf mich, ich musste tiefer in den Wald kriechen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit dem Verlassen des Busses diese Gefahr auf mich nehmen würde.

Ich hätte gedacht, die Leute aus dem Bus würden mich verfolgen, weil sie es nicht dulden könnten, dass jemanden ein besseres Schicksal ereilt, als sie.

Sie verhielten sich neutral. Statt dessen sah ich mich von Nazis verfolgt.

Das hatte ich doch schon mal, damals am Brandenburger Tor, als ein Freund mich zu einem Fest begleiten wollte und wir hatten keine Papiere bei.

Nun jedoch, war ich alleine. Es drohte mir auch keine standrechtliche Erschießung, nur der Tod „Auf der Flucht erschossen“.

Ich fand ein Wegsystem in meinem Wald. „Mein Wald“, weil er mich umgab, mich beschützte. Ich hoffte, dass die Zeit ewig dauern würde. Meine Instinkte reduzierten sich auf das Verstecken. Ich wollte dunkel sein, getarnt. Ich wollte die Farbe des Waldes in der Nacht annehmen, wenn es Nacht war, die Farbe des Waldes am Mittag, wenn es Mittag war.

Ich wollte weg sein. Ich wollte mir meine Ohren durchstoßen, denn ständig vernahm ich im Hintergrund das Dröhnen des LKW. Immer war es vorhanden, doch ich sah nichts. Es war als würden sie jeden Moment um die Ecke kommen, in ihren Uniformen, mit ihren Gewehren. Ich musste weiter, doch sie kamen nicht.

Einmal würde ich in eine Sackgasse geraten. Und dann, dieses Mal würden sie um die Ecke kommen. Ich hätte nicht mehr die Kraft um mich die letzten rettenden zwei Meter in eine Hecke zu schieben. Sie würden kommen, langsam und sicher hinter einer Tanne hervor. Würden einbiegen in meinen Pfad. Meine Beine würden zucken, weil sie und nur sie noch Hoffnung hätten, den Busch zu erreichen, oder den geheimen Weg. Die Abkürzung ins Glück. Doch würden sie meine Beine sehen, wie sie da zuckten. Und schießen würden sie, sofort, wenn sie mich sähen. Und dann wäre es aus. Ich würde erschossen sein „Auf der Flucht“. Auf der Flucht vor einigen Leuten, die ich nicht mochte, in einen Wald, der mich nicht schützen konnte, verfolgt von Relikten, die hier nichts mehr zu tun hatten.

Doch es geschah.