Ich bin ganz still. Ich habe dieses Leid nicht ertragen müssen. Ich bin ganz still. Wie viele Tote kann eine Frau ertragen?"

 

Nach dem Tod der Mutter blieben der übriggebliebenen Familie Heinrich, Maria und dem kleinen Willi sieben Jahre bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Maria fand eine Stellung in Kassel, verliebte sich in Wilhelm und sorgte sich um das Haus und den kleinen Bruder. 10 Monate nach der Hochzeit musste Wilhelm in den Krieg nach Russland. Und als es dann 1944 war, da wurde Willi auch gerade noch rechtzeitig vor Ende des Krieges tauglich für die Armee und musste seine Gärtnerausbildung ab- und Hitler zusagen.

Und die Allierten waren schon gelandet in der Normandie und kamen auch nach St. Lô. Wollten aber lieber an den Rhein, an den deutschen Rhein, den Willi überqueren musste, weil er in die SS gezwungen wurde als Deutschlands letztes Aufgebot. Als Willi zur „Sicherung in den Niederlanden“ in Amersfort war, hat man ihn schnell und kompakt ausgebildet und dann losgeschickt.

Victor Kugler und Johannes Kleiman, die beiden Helfer der Familie von Anne Frank, waren auch in Amersfort, im polizeilichen Durchgangslager. Allerdings waren die aus anderen Gründen da als Willi, und der war auch bald schon wieder weg. Ich sage das nur, damit man sehen kann, worum es in Amersfort ging, welche Quintessenz von Hitler sich in diesem kleinen niederländischen Ort niedergeschlagen hat.

Willi war dann auf der Seite des Rheins, auf der die Amis schon warteten. Sein erster großer Ausflug nach Frankreich. Er kam sogar noch bis nach St. Lô, wo gekämpft wurde. Musste dann aber schnell weiter, ins Lazarett. Er starb einen Monat nach dem D-Day in Hambye-Manche. Und jetzt liegt der blutjunge SS-Sturmmann in Marigny, Block 2, Reihe 7, Grab 270.

Seit 1958 wird der Friedhof gärtnerisch gepflegt. Willi wäre sicher auch lieber Gärtner geblieben.

 

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